Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren              

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„Nablus Circus School“ gastiert im Kepler-Gymnasium

Mittwoch, 25. Sep. 2019
von Brigitte Striehn

Zum 15. Mal gastierte die KinderKulturKarawane im Johannes-Kepler-Gymnasium. Jonglage, Parterre-Akrobatik, Clownerien, Gesang und Tanzelemente der „Nablus Circus School“ waren eingebettet in eine witzige Erzählung fast ohne Worte.

 

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IBBENBÜREN. In der Pausenhalle des Johannes-Kepler-Gymnasiums flogen am Dienstagabend Bälle und Keulen durch die Luft, junge Akrobaten wirbelten über den Bühnenboden. Ein strenger Lehrer wies Jugendliche augenzwinkernd in ihre Schranken, wenn sie übermütig wurden oder gar zu spät zum Unterricht erschienen. Dass er selbst Akrobatik bestens beherrscht, zeigte er in einer perfekt vorgetragenen Diabolo-Jonglage mit hohen Würfen und schwierigen Drehungen. Seine Schüler standen ihm in nichts nach und bald fühlte sich das Publikum in ein Zirkuszelt versetzt. Während die jungen Männer mit kühnen Sprüngen und Hebefiguren glänzten, gaben die Mädchen mit Salto, Brücke und Flic-Flac Einblick in die Bodenakrobatik. Tala Youns, (17), Azza Tawashi (16), Mosab Shami (23), Wajdi Khaled (18), Noor Samaro (19) und Noor Jaddallah (18) fanden sich auch in Menschenpyramiden zusammen. Dafür sind Mut und Körperbeherrschung nötig – vor allem wenn ein Tisch als Unterlage dient. Keplerschüler konnten sich in Workshops davon überzeugen.

 

Die Geschichte aus dem Schulalltag palästinensischer Kinder mit dem Titel „Die Pause“ wurde von der „Nablus Circus School“ wie ein kleines Theaterstück in Szene gesetzt. Die Organisation „KinderKulturKarawane“ hatte die Gruppe zu Gastspielen eingeladen. Zwei Monate bleiben sie in Deutschland und zeigen ihr selbst ausgedachtes Zirkus-Spektakel aus Jonglage, Parterre-Akrobatik, Clownerien, Gesang und Tanzelementen, eingebettet in eine witzige Erzählung fast ohne Worte. Im Johannes-Kepler-Gymnasium zeigten junge Künstler aus aller Welt bereits zum 15. Mal ihr Können. Die Lehrerinnen Margret Hövermann-Mittelhaus und Dagmar Meyring begrüßten in diesem Jahr etwa 100 Zuschauer. Tourbegleiter und Übersetzer Marwan Akkila erläuterte Ziele und Inhalte des Unternehmens.

Die 2009 entstandene Schule soll ein sicheres Umfeld bieten, Individualität und die Entfaltung der Persönlichkeit fördern. Sie ist ein Ort der Meinungsfreiheit und Kreativität. Bereits zuvor begegneten Jugendliche im Westjordanland mit witzigen Shows der zunehmenden Gewalt in den Konflikten zwischen Palästinensern und Israelis. Über die Organisation „Assirk Assaghir“ (Der kleine Zirkus) entstanden Kontakte zu Zirkusbetreibern in Europa, die bei der Ausbildung halfen und Auslandsreisen ermöglichten.

Das Projekt ist eine Hoffnung für die Zukunft, jedoch sei die Finanzierung stets ein Balanceakt, wie Manager Mohammed Shafee in der Diskussion betonte. Das Interesse war groß, es wurden zahlreiche Fragen gestellt und beantwortet.

In einer sehr aussagekräftigen Präsentation erhielten die Zuschauer Informationen über den Nahostkonflikt und erfuhren interessante Details über das Leben in Palästina. Die Arbeitslosigkeit ist besonders unter Jugendlichen hoch. Armut, Drogengeschäfte, Waffenschmuggel, Terror und Gewalt sind Alltag. Zukunftsängste führen zu einer Zunahme extremer religiöser Frömmigkeit. Mangelnde Perspektiven lassen Drogen- und Alkoholkonsum in die Höhe schnellen, das Alter jugendlicher Straftäter sinkt. Keine guten Aussichten für junge Palästinenser, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die „Nablus Circus School“ ist ein kleiner Baustein dafür.

IVZ vom 25.09.2017

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