Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren              

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Echter Operngesang im Klassenzimmer

Freitag, 27. Dez. 2019 - 15:58 Uhr
von Linda Braunschweig

Jugendliche Schüler, die eine Oper singen. Das ist nicht gerade alltäglich, um nicht zu sagen: ziemlich außergewöhnlich. Wir haben einer Probe am Kepler-Gymnasium in Ibbenbüren einen Besuch abgestattet. Sie führen bald „Die Zauberflöte“ von Mozart auf.

zauberflöte 2019

Musikraum 2 des Johannes-Kepler-Gymnasiums, ein Mittwochnachmittag kurz nach 15 Uhr: Musiklehrer Uwe Berkemer greift in die Tasten des schwarzen Flügels. Auf dessen Deckel haben Esther Frey (16), Maxime Timmer (17), Marlene Hagen (18), Silas Gräbert (17) und Aaron Hinnah (19) ihre Textbücher platziert. Mozarts Zauberflöte. Es ist das Stück, das das Kepler-Gymnasium in den kommenden Wochen in Atem halten wird.

Stimmen-Suche schon in der Unterstufe

Jetzt müssen aber erstmal die fünf Schüler ihre Atmung kontrollieren. Abwechselnd singen sie ihre Rollen: die drei Damen, Tamino und Papageno zur Klavierbegleitung. Und wie sie singen! Das ist echter Operngesang. Voluminös und klangvoll, ausdrucksstark und voller Dramatik. Und das in einem schnöden Klassenzimmer, präsentiert von Jugendlichen, die man sonst mit allen musikalischen Richtungen in Verbindung bringt, aber sicher nicht in erster Linie mit Oper. Am Kepler-Gymnasium ist das anders. Uwe Berkemer, Dirigent, Pianist und Komponist, sucht schon in der Unterstufe nach geeigneten Stimmen. Im Pausen-Opern-Studio üben sich seine Schüler zwischen Mathematik- und Latein-Kursen in Belcanto-Technik. Und nun also die Zauberflöte komplett aus Schülerhand bzw. -mund.

„Du weißt, dass du da am Ende hinfallen musst?“

An diesem Mittwoch ist Intensiv-Probe. Als die fünf ihren Part beendet haben, ist Uwe Berkemer fast zufrieden. „Das war es noch nicht ganz, aber das ist auch sauschwer“, gibt er zu und ermuntert den ein oder anderen Sänger: „Keine Sorge, an der Stelle spielt das Orchester volle Kanone.“ Nicht nur Aaron muss neben dem Gesang auch noch die schauspielerische Leistung im Blick behalten: „Du weißt, dass du da am Ende hinfallen musst?“, fragt Berkemer und Aaron nickt. Mit Regieanweisungen hält der künstlerische Leiter sich zurück, er will Regisseur Marcus Grolle nicht vorgreifen, der in Kürze in das Projekt einsteigt.

200 Schüler sind beteiligt

Bis zur Aufführung Ende Februar im Bürgerhaus wird es noch so einige Proben geben, aber schon jetzt blicken die Schüler dem Ganzen recht entspannt entgegen. „Wie riesig das wird“, könnten sie vielleicht jetzt noch nicht ganz überblicken, meint Esther. „Ich bin schon sehr gespannt, aber ich singe gerne vor großen Gruppen“, sagt Maxime. Seit Schuljahresbeginn haben die Jugendlichen ihre Textbücher quasi nicht aus den Händen gelegt. Insgesamt sind 200 Schüler auf und hinter der Bühne mit der Aufführung befasst.

Ein eingeschworenes Team

Zu was ihre Stimmen fähig sind, hat die Schüler anfangs selbst überrascht, auch wenn einige von ihnen schon lange im Chor singen. Natürlich brauchte es bei dem ein oder anderen Zeit, aus sich heraus zu gehen. Aber Uwe Berkemer ließ nicht locker und irgendwann war es dann soweit: „Solche Töne hatten wir nicht erwartet“, sagt Marlene, die auch heute noch manchmal staunt, wenn sie ihre Mitschüler singen hört. „Man wächst da so rein“, bleibt Aaron bescheiden. Die Opern-Mannschaft ist längst ein eingeschworenes Team. Fehler sind nicht mehr peinlich, sondern „die passieren, kein Problem“, sagt Esther.

Noch drei Dutzend Proben

Weiter geht‘s mit dem nächsten Part. Monostatos alias Jonas Engelsberg steht nun mit seinen Mitschülern am Flügel. „Der ist immer wütend, ständig frustriert“, sagt Berkemer über die Rolle und ermahnt: „Ihr müsst deutlicher artikulieren.“

Um die drei Dutzend Proben stehen noch an bis zur Aufführung. Aber: „Wir sind schon sehr weit“, bilanziert Berkemer, bevor er wieder in die Tasten greift. Und das klingt auch so.

Drei Fragen an Uwe Berkemer, Leiter des Opernfestivals

Herr Berkemer, wie schafft man es, 16-Jährige für Oper zu begeistern?

Uwe Berkemer: Das liegt an unserem Stimmförderungssystem am Kepler-Gymnasium. Ab der fünften Klasse haben die Schüler die Möglichkeit, individuell gefördert zu werden. Und wenn man ganz früh anfängt, dann kann man das mit beeinflussen. Zudem ist unser Pausen-Opern-Studio in der 40-Minuten-Pause einmalig. Dort arbeite ich ganz individuell mit ausgesuchten Schülern, die großes Potenzial haben. Und da studieren wir auch Opern-Stücke ein.

Die Schüler singen professionell mit Belcanto-Technik. Wie bringen Sie Ihnen das bei?

Berkemer: Ich selbst wollte auch immer Opernsänger werden und habe auch eine entsprechende Ausbildung. Die Singerei war mir immer wichtig. Es ist toll, dass an der Schule auszuleben. Die Schüler singen in der fünften Klasse vor und dann kann ich das so fördern, dass so etwas dabei heraus kommt.

Wie lange dauert das?

Berkemer: Es hängt natürlich davon ab, wie begabt die Schüler sind. Zwei Jahre intensives Stimmtraining sind schon Voraussetzung. Wir haben auch Beispiele, wo es schneller geht, weil sie unglaublich Stimme haben. Bei den meisten aber braucht es Zeit, bis sie sich so entwickeln, dass sie auf der Bühne stehen können.

Kartenvorverkauf

Premiere ist am Freitag, 28. Februar, um 19.30 Uhr. Zwei weitere Aufführungen sind am Samstag, 29. Februar, um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 1. März, um 17 Uhr. Karten in den Kategorien A: 15 Euro, ermäßigt 8 Euro; B: 12 Euro, ermäßigt 6 Euro; C: 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, gibt es im Zett-Punkt, Bahnhofstraße, sowie im Sekretariat des Johannes-Kepler-Gymnasiums. Die IVZ, die Kreissparkasse, die BA Unternehmensgruppe, die Stadtwerke Tecklenburger Land, der Kreis Steinfurt und der Kepler-Förderverein unterstützen das Projekt.

IVZ vom 28.12.2019

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