Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren              

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„Faust - der Tragödie erster Teil“

Freitag, 30. Nov. 2018 - 14:30 Uhr
von Brigitte Striehn

Das Kepler-Gymnasium soll eine Schule für höhere Teufelei sein? Am Donnerstag konnten etwa 180 Schüler der Jahrgangsstufe Q1 diese Behauptung des Schauspielers Ekkehart Voigt überprüfen. Er gastierte mit dem Theater „Als ob“ im Kepler-Gymnasium.

 

faust2018

Auf dem Programm des Solokünstlers aus Hessen stand das Drama „Faust – der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe. Zur großen Überraschung spielte er alle Haupt- und Nebenrollen selbst.

Es war faszinierend zu beobachten, wie er in Sprache, Mimik und Gestik sowohl Faust und Mephisto als auch die Frauenrollen glaubhaft und mitreißend darstellte und dabei manch komische Situation voll ausreizte. Gespenstisches Licht und Toneffekte verstärkten das schillernde Treiben der Gestalten.

Um die Schüler noch einmal an den Schulstoff zu erinnern, fasste Voigt zu Beginn die Handlung zusammen. Einige markante Beispiele aus den ersten Szenen machten deutlich, wie viele Zitate des Dichters Eingang in die Alltagssprache gefunden haben.

Doch Ekkehart Voigt beließ es nicht dabei, den Originaltext in ungewöhnlicher Weise auf die Bühne zu bringen. Immer wieder unterbrach er das Stück, um sich als Teufelslehrer unter die Schüler zu mengen. Er stellte Fragen und forderte zum Mitmachen auf. Putin, Trump, Merkel Erdogan nannte er großartige Beispiele für gut ausgebildete Teufel. Im „Faust“ gehe es um Manipulation, ein hochaktuelles Thema, so Voigt. „Bei mir lernt Ihr die Basics dafür“, forderte er zum Zuhören auf.

Offensichtlich stecken in ihm noch eine Menge erzieherischer Fähigkeiten, obwohl er sein Pädagogikstudium einst nach praktischen Einblicken in die Lehrer-Tätigkeit nicht abgeschlossen hatte. Er ließ Mahatma Gandhis „Sieben Todsünden der modernen Welt“ zitieren: Reichtum ohne Arbeit – Genuss ohne Gewissen – Wissen ohne Charakter – Geschäft ohne Moral – Wissenschaft ohne Menschlichkeit - Religion ohne Opferbereitschaft – Politik ohne Prinzipien.

Diana (17) durfte Fausts Bitte um Geleit ablehnen. „Es war schön, so in die Rolle einbezogen zu werden“, stellte sie fest. Das intensive Spiel, das Lichtkonzept und die interaktive Komponente der Aufführung fanden Marie und Miriam (beide 16) total interessant.

Bei seiner Aufführung hielt sich Voigt nicht sklavisch an den Originaltext, einige Szenen ließ er ganz aus. Dennoch gelang es ihm, den Spielfluss zu erhalten und ohne Brüche der Handlung zu folgen. Die einzelnen Charaktere waren in jeder Minute klar erkennbar, obwohl nur ganz wenige Requisiten zum Einsatz kamen.

Und was hält nun die Welt im Innersten zusammen? Es ist natürlich die Liebe. In der Nachbesprechung erklärte der Theatermacher einige besondere Aspekte der bemerkenswerten Inszenierung, die er gemeinsam mit der Regisseurin Astrid Lämmlein geschaffen hat. Das solistische Arbeiten gebe ihm viel für sein eigenes Leben. Es sei ein tolles Gefühl und eine Herausforderung, wie vielleicht für andere Menschen ein Bungee-Sprung.

Das Einfügen der Teufelsschule in den Goethe-Text sei seine Idee gewesen, damit wolle er Schüler packen und für das Theater begeistern, betonte er.

IVZ vom 1. Dezember 2018

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