Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren              

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Amelie Brahm und Viktor Michel helfen Mitmenschen

Mittwoch, 19. Feb. 2020 - 15:10 Uhr
von Holger Luck

Helfen wollen sie, und dabei mit Senioren ins Gespräch kommen. Im neuen Projekt Taschengeldbörse geht es für die beteiligten Schüler nicht in erster Linie ums Geld. Vielmehr ist ihnen die Nachbarschaftshilfe und der generationsübergreifende Kontakt zu ihren Mitmenschen wichtig. Wir haben mit zwei Schülern des Kepler-Gymnasiums über ihre Erlebnisse und Erfahrungen in den ersten Wochen gesprochen.

taschegeldboerse viktor 2020

Sie unterstützen Senioren im Haus und im Garten, machen Besorgungen, oder geben wie Viktor Michel Nachhilfe in Sachen Handy und Computer. Seit Anfang des Jahres hilft der Schüler Seniorin Elisabeth Schüttken, besser mit ihrem Computer zurecht zu kommen. Wie lege ich Dateiverzeichnisse an, wie importiere, organisiere und bearbeite ich die Fotos meiner Kamera? Banale Fragen für einen 17-Jährigen, für ältere Menschen hingegen oft Böhmische Dörfer. „In der heutigen hektischen Zeit ist es gerade beim Thema Computer wichtig, dass sich jemand etwas Zeit nimmt, es in Ruhe zu erklären“, meint Viktor Michel und nimmt sich diese Zeit gerne.

Das Zwischenmenschliche ist wichtig

Anfangs eine Stunde pro Woche, inzwischen haben Lehrer und Schülerin auf zwei Stunden aufgestockt. „Ich möchte ja vorankommen“, sagt Elisabeth Schüttken augenzwinkernd. Sie hat keinerlei Probleme damit, in dieser Sache Hilfe in Anspruch zu nehmen: „Dass so viele Menschen meiner Generation Probleme mit dem Computer haben, liegt wohl daran, dass sie nicht um Unterstützung bitten mögen“, meint Schüttken. Ihr jugendlicher Lehrer kann das kaum verstehen. Er gibt sein Wissen gerne weiter, freundlich und auf Augenhöhe. Fast wichtiger als das Unterrichtsthema ist für ihn das Zwischenmenschliche: „Ich halte Kontakte der Generationen für super wichtig. Darum war ich auch sofort dabei, als die Taschengeldbörse in unserer Schule vorgestellt wurde.“

Einfach alles angekreuzt

In Gesprächen vor, nach und manchmal auch während der Computerstunde erhält der Jugendliche Einblicke in die Lebenswelt seiner „Schülerin“, und natürlich umgekehrt. „Ein großer Gewinn für beide Seiten“, ist Viktor Michel überzeugt. Fast egal ist ihm da, bei was er hilft. „Als die Frage kam, in welchen Bereichen ich eingesetzt werden möchte, habe ich einfach alles angekreuzt.“ So hat Viktor in den vergangenen Wochen nicht nur Computer-Nachhilfe gegeben, sondern bei anderen „Klienten“ auch im Garten geholfen, über mehrere Tage einen Dachboden entrümpelt und Hunde Gassi geführt.

Eine im Rahmen der Taschengeldbörse eigentlich nicht vorgesehene Aufgabe hat Amelie Brahm übernommen. Die ebenfalls 17-Jährige Gymnasiastin hilft einer Grundschülerin bei ihren Hausaufgaben. Medini ist sechs Jahre und kommt aus einer Flüchtlingsfamilie, sie besucht die Albert-Schweitzer-Schule und hat große Probleme mit den Fächern Deutsch und Mathe. „Eigentlich sind ja eher Senioren die Zielgruppe unserer Taschengeldbörse, aber wir haben hier gerne eine Ausnahme gemacht“, erklärt Elke Stalljohann vom Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche, die das Angebot koordiniert: „Letztlich wollen wir für die Belange aller Ibbenbürener offen sein.“

taschegeldboerse amelie 2020

Offen für seine Mitmenschen sein

Offen für ihre Mitmenschen ist auch Amelie. Die Nachhilfe macht ihr große Freude. Menschen zu helfen ist ihr Ding. Für sie, ebenso wie für Viktor Michel, spielt die Taschengeldaufbesserung nur eine untergeordnete Rolle: „Klar ist der Lohn ein netter Bonus zum Taschengeld, das steht für mich aber nicht im Vordergrund.“ Auch Amelie Brahm sieht das so. Ihr ist der sichtbare Erfolg ihres Engagements ein viel schönerer Lohn: „Zu sehen, dass Medini jetzt schon viel sicherer mit Zahlen und Buchstaben umgeht, das ist das Größte für mich.“

Taschengeldbörse

Taschengeldbörse: Die Taschengeldbörse ist seit November 2019 am Start. Als Kooperation von Begegnungszentrum und Kepler-Gymnasium ist sie eine von mehreren Säulen des „Quartiersprojektes für ein seniorengerechtes Ibbenbüren“. Aktuell engagieren sich 16 Kepler-Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren. Mittelfristig soll die Taschengeldbörse auch für andere Schüler offen sein. Die jugendlichen Helfer bieten ihre Dienste an für Einkäufe, kleinere Haus- und Gartenarbeiten, Computerhilfe, Hundeausführen etc. Als Taschengeld für die Nachbarschaftshilfe empfehlen die Organisatoren mindestens fünf Euro pro Stunde. Der Kontakt zur Taschengeldbörse läuft über Elke Stalljohann, Telefon 0157/ 30748198.

IVZ vom 20.02.2020

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