Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren              

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It‘s a match! – oder doch nicht?

Mittwoch, 15. Mai. 2019 - 16:13 Uhr
von Carina Tissen

europawahl 2019 schueler

Für alle, die sich eineinhalb Wochen vorher noch nicht sicher sind, welche Partei sie am 26. Mai wählen sollen, bietet das Internet zahlreiche Tools. Diese vergleichen die eigenen politischen Ansichten mit denen der zur Wahl stehenden Parteien. Doch bei der Wahl der Online-Tools gilt Vorsicht. Denn nicht jedes scheint unabhängig zu sein.

Die Kepler-Schülerinnen Marie Frickenstein (17), Greta Westmeyer (17) und Johanna Fischer (16) dürfen zwar noch nicht an die echte Europawahl-Urne. Für die Juniorwahl, mit der am Kepler-Gymnasium eine echte Abstimmung simuliert wird, haben die drei aber schon mal drei Online-Tools getestet.

Das wohl bekannteste Tool, der Wahl-O-Mat, testete Greta. Berücksichtigt werden bei diesem Programm, wie auch bei den folgenden, die Parteien, „die vom Bundeswahlausschuss zur Wahl zum Europäischen Parlament 2019 mit einer Landes- oder Bundesliste zugelassen wurden“, heißt es auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung. Diese stellt den Wahl-O-Mat. Die 38 Thesen, die Greta beantworten muss, haben die Parteien im Vorfeld ebenfalls beantworten müssen – mit einem Klick auf einen der Buttons „Stimme zu“, „Stimme nicht zu“ oder „Neutral“. Fragen, die nicht beantwortet werden können, können übersprungen werden.

Die Fragen an sich findet Greta teilweise kompliziert. „Mir fehlt das Wieso und Warum. Von einigen Themen habe ich gar keine Ahnung und kenne die Auswirkungen nicht“, sagt sie. Deshalb hat sie neun mal eine Frage mit Neutral beantworten oder überspringen müssen. Das beeinflusst das Ergebnis. Am Ende kann Greta einzelne Fragen, die ihr besonders wichtig sind, doppelt gewichten und ihr Ergebnis mit acht Parteien vergleichen, die sie immer wieder ändern kann. „Das finde ich doof. Mit einigen großen Parteien habe ich eine genauso große Übereinstimmung wie mit einigen kleinen, eher unbekannten. Das hilft mir so jetzt erstmal nicht“, kritisiert sie.

Ein Bonus: Mit einem weiteren Klick auf der Wahl-O-Mat-Ergebnisseite können die User ihre Positionen zu 16 EU-Thesen mit den Parteien aus Europa vergleichen.

YourVoteMatters.eu

Die Internetplattform YourVoteMatters.eu testet Johanna. Die Plattform wurde von einer Gruppe von fünf europäischen Organisationen entwickelt: Riparte il futuro (Italien), VoteWatch Europe (Belgien), European Citizen Action Service (Belgien), Vouliwatch (Griechenland) und Collegium Civitas (Polen). Diese schreibt auf der Internetseite über sich selbst: „Wir haben 25 Wahlergebnisse gewählt, die große Diskussionen innerhalb und außerhalb des Parlaments verursacht haben. Daher ist unsere Auswahl per se subjektiv.“ Trotzdem scheint Johanna mit dem Programm zufrieden. Zu allen 25 Fragen, die sehr ausführlich und detailreich ausgeführt sind, erhält Johanna eine Pro- und Kontra-Liste. „Das hat jetzt zwar etwas länger gedauert, aber ich konnte besser einschätzen, was mir die Frage bedeutet und dann leichter abstimmen.“

Am Ende wird Johannas persönliches Ergebnis nicht nur mit Parteien verglichen, sondern auch mit einzelnen Personen – auf EU-Ebene oder national, das kann sie selber wählen. Und trotz der anfänglichen Bedenken hatte Johanna das Gefühl, dass alle wichtigen Themenbereiche abgedeckt waren.

Digital-O-Mat

Das letzte Tool im Test ist der Digital-O-Mat. Wie der Name schon sagt, beschäftigt sich dieses Tool mit digitaler Politik und der Digitalisierung. Skepsis kommt bei Marie auf, die das Programm testen soll: „Wie soll aufgrund eines einzigen Themengebietes ein Ergebnis für mich ermittelt werden?“, fragt sie sich.

Eine Gruppe von neun Nichtregierungsorganisationen stellt das Tool. Dabei wird Peter Roessink, der SoWi-Lehrer der Mädchen, hellhörig: „Die Urheber der Tools können natürlich einer bestimmten Agenda folgen und die Umfragen entsprechend lenken. Deswegen sollte eher eine neutrale Quelle genutzt werden“, warnt er.

Und auch sonst ist Marie eher unzufrieden mit dem Programm. Die Fragen seien so kompliziert, „dass es selbst für mich als LK-Schülerin schwer zu verstehen ist und das trotz der gegebenen Zusatzinformationen“, sagt sie. Auch bei der Anzahl der Fragen ist Marie skeptisch: „Insgesamt zehn Fragen zu einem einzigen Thema. Wie soll mir das weiterhelfen? Nur, weil ich in einem Thema mit einer Partei zu 95 Prozent übereinstimme, gilt das nicht zwangsläufig für das gesamte Wahlprogramm.“ Sie befürchtet, dass User sich so in die Irre führen lassen und vielleicht eine nicht ihren Interessen entsprechende Partei wählen könnten.

Das Fazit

Insgesamt sind sich die Schülerinnen einig: Sie werden, wenn sie wahlberechtigt sind, ihr Kreuz nicht aufgrund des Ergebnisses aus einem der Tools setzen. „Es macht zwar Sinn, mehrere auszutesten und sich zusätzlich mit dem Thema auseinander zu setzen“, findet Greta. Sie und ihre Mitschülerinnen empfehlen aber: „Lest euch von den Parteien, mit denen ihr die höchste Übereinstimmung habt, das Wahlprogramm durch. Nur so wisst ihr, ob die Partei wirklich euer Match ist.“

IVZ vom 16.05.2019

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