Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren              

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Ausstellung zu sexualisierter Gewalt

 

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Von Linda Braunschweig

IBBENBÜREN. Ein niedlicher Film mit Strichmännchenzeichnungen und Kinderstimmen über die Liebe empfängt die Schüler der zehnten Klasse, die an diesem Morgen die Ausstellung „Echt krass! Wo hört der Spaß auf?“ im Raum 220 des Johannes-Kepler-Gymnasiums besuchen. „Leider ist es nicht immer so“, stimmt Bärbel Gövert, Sozialarbeiterin, die Jugendlichen auf das ein, was sie dann erwartet. In der Ausstellung geht es um sexuelle Gewalt, um Vergewaltigung, No-Gos in der Beziehung und Pornografie.

Die Stationen der Ausstellung wollen sensibilisieren. „Alle stehen auf Analsex“, „Gangbang ist doch cool“ oder „Vergewaltigung ist es erst, wenn das Opfer schreit und sich wehrt“ und „Wer im Vollrausch vergewaltigt wird, hat selber schuld“, heißt es da auf kleinen Schildern zum Wegklappen. In den Texten, die sich dahinter verbergen, räumen die Ausstellungsmacher mit solchen und weiteren möglichen Mythen auf. Manches führt bei den Jugendlichen zu Diskussionen. Andere der provozierenden Aussagen sind völlig klar: falsch. „Das Opfer ist vielleicht in einer Schockstarre und kann sich nicht wehren“, stellt eine der Schülerinnen fest. „Das ist aber trotzdem eine Vergewaltigung.“

Immer wieder ist Gelächter oder mindestens Gekicher zu hören, Scherze gehen hin und her, aber auch Sätze wie „Stell’ dir vor, wie das bei dir wäre“. Vor anderen Stationen stehen die Schüler schweigend. Manches regt zum Nachdenken an: Ist das nun schon eine der Grenzüberschreitungen, die Bärbel Gövert eingangs erwähnte? Und haben die Schüler das schon mal selbst erlebt? „Ja, auf Partys“, sagt Zoe (17). „Das habe ich dann ignoriert und bin weggegangen oder habe meine Freundin weggezogen.“ Zunächst denke man ja, „dass es nicht extra war“, ergänzt Nicole (17). „Das wird einem dann erst später klar.“

Was auf dem Schulhof okay ist, sollen die Schüler auf einer Bildertafel mit kleinen roten und grünen Magneten festlegen. Knutschen? Klar. Den Mädels an die Brust fassen? Wohl nicht.

Eine andere Tafel stellt die Frage, wo die Grenzen in einer Beziehung sind. Vanessa und Katharina haben hier schon mehrere Punkte Richtung „Himmel“ und „Hölle“ verschoben. Was davon geht gar nicht? „Sich beim Sex filmen“, landet für die Mädels ganz klar in der tiefsten Hölle, ebenso wie „Sex mit dem Partner haben, wenn dieser total betrunken ist und es nicht mitkriegt“. Absolute No-Gos. Bei den Flirt- und Anmachsprüchen dagegen gibt‘s Anlass genug zum Schmunzeln. „Wenn du ein Burger wärst, würdest du McBeautiful heißen“, liest Zoe vor. „Ach komm, das ist doch knuffig.“

„Wir sind ja eigentlich alle schon älter, haben Erfahrung und passen besser auf“, bilanziert die 17-Jährige später. Die Ausstellung sei da vielleicht eher was für die Jüngeren.

„Die Schüler haben das ganz unterschiedlich aufgefasst“, sagt Gövert. „Bei den Jüngeren gab‘s Getuschel, bei den älteren Diskussionen. Das war das Ziel.“ Die Schüler könnten einiges daraus mitzunehmen, findet Melanie Schulze, Praktikantin an der Schule. Das Thema sei für die Lehrer schwierig näher zu bringen.

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IVZ vom 11.04.2019

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